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Die Wiege des europäischen Adels.

Die Ernestiner – eine Familie prägt den Kontinent.

Sie sitzen auf dem Thron von England und Schweden und wohnen in den Königspalästen Norwegens und Belgiens – die Nachkommen der Ernestiner. Ein Adelsgeschlecht, das von Thüringen aus die europäischen Fürstenhäuser prägte. Noch heute zeugen die zahlreichen Schlösser, die überall im Freistaat stehen, von der Bedeutung der Ernestiner. Und von einer kulturellen Vielfalt, die es so kein zweites Mal gibt. Adelsexpertin Leontine Gräfin von Schmettow hat einige der Herrschaftssitze besucht und dabei die einzigartige Residenzkultur Thüringens und eine beeindruckende Familiengeschichte näher kennengelernt.

Schloss Friedenstein: das Zuhause einer Dynastie.

Als Ernst I. 1640 nach einer Erbteilung Herzog von Sachsen-Gotha wurde und eine Dynastie begründete, ließ er sich ein imposantes Residenzschloss erbauen, das nach diversen Erweiterungen und Umbauten heute 365 Zimmer zählt. Der Name: Schloss Friedenstein. Dank der vielen originalgetreuen Räumlichkeiten und vielfältigen Sammlungen wird es auch als Barockes Universum bezeichnet, das Jahr für Jahr zahlreiche Besucher nach Gotha zieht.

Hochzeiten und Hoheiten.

Mindestens genauso beeindruckend wie das Schloss selbst, ist der Einfluss auf die europäische Adelslandschaft, der von diesem kleinen Herzogtum ausging. Noch heute berufen sich zahlreiche Königsfamilien auf das Haus Sachsen-Gotha, bzw. Sachsen-Coburg und Gotha. Schwedens Kronprinzessin Victoria, Kronprinz Haakon von Norwegen oder Belgiens König Philippe – sie alle gehören dem illustren Kreis der Royals mit Thüringer Wurzeln an.

Die Windsors stammen aus Thüringen.

Möglich machte dies die kluge Heiratspolitik, die Ernst I. und seine Erben verfolgten. Eine der wichtigsten Hochzeiten fand dabei 1817 im prachtvollen Festsaal auf Schloss Friedenstein statt. Hier heirateten die Eltern von Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, dem späteren Ehemann von Queen Victoria und Ururgroßvater von Queen Elisabeth II.

Somit stammen auch die Windsors direkt aus Thüringen ab. Diese Verflechtungen tragen dazu bei, dass man Ernst I. von Sachsen-Gotha auch den Großvater Europas nennt.

Fürstlich heiraten.

Noch heute finden auf Schloss Friedenstein zahlreiche Hochzeiten statt. Allerdings heiraten hier keine Prinzen und Prinzessinnen mehr, sondern ganz normale Menschen. Im historischen Trauzimmer können sich Paare das Ja-Wort geben, die für diesen besonderen Tag eine ganz besondere Atmosphäre wünschen. Und die herrscht in der Wiege des europäischen Adels.

1.000 Jahre Adelsgeschichte.

Schloss Friedenstein gilt als Wiege des europäischen Adels. Die Wiege seines Erbauers, Ernst I., stand woanders. Und zwar auf Schloss Altenburg. Hier wurde der Stammvater der Dynastie Sachsen-Gotha 1601 geboren.
Schloss Altenburg hat eine rund 1000-jährige Geschichte voll spannender Kapitel. Errichtet als Sitz der Wettiner, einem der ältesten Adelsgeschlechter Deutschlands, war es Tatort des legendären Prinzenraubs von 1455. Seit 2005 wird der Stoff dieses historischen Kriminalfalls als Theaterstück am Originalschauplatz aufgeführt. Nach der Leipziger Teilung des Hauses Wettin fiel das Schloss an die daraus entstandene ernestinische Linie, die maßgeblich die mitteldeutsche Geschichte prägen sollte und aus der auch Ernst I. stammte.

Heute beherbergt Schloss Altenburg ein Museum, dessen zahlreiche Artefakte einen guten Eindruck des höfischen Lebens vermitteln. Faszinierend sind zudem der prunkvolle, acht Meter Hohe Festsaal mit Marmorsäulen und die Schlosskirche mit ihrer Trost-Orgel, auf der schon Johann Sebastian Bach sein Können zeigte.

Am anderen Ende des Schlossparks befindet sich das berühmte Lindenau-Museum, das seinen Ruf nicht zuletzt einer bedeutenden Sammlung von 180 Tafelgemälden der italienischen Frührenaissance verdankt. Während der umfassenden Sanierung des Hauses kann man im Zentrum Altenburgs in der Kunstgasse 1 einen Querschnitt der vielfältigen Sammlungen bewundern. Und hoffentlich bald auch wieder im Museum selbst. Wir freuen uns schon, Sie dort zu begrüßen.

 

Schloss Altenburg hat eine rund 1000-jährige Geschichte voll spannender Kapitel.

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Leontine Gräfin
von Schmettow

Sie gehört zu den renommiertesten Adelsexperten des Landes. Und das nicht nur wegen der eigenen blaublütigen Abstammung – Leontine Gräfin von Schmettow. Nach ihrem Studium in Geschichte, Politik und Literaturwissenschaften
schlug sie den Weg der Journalistin ein, die auf Augenhöhe mit den Royals dieser Welt spricht.
Schon 1999 bewies Gräfin von Schmettow mit der 13-teiligen TV-Dokumentation „Deutsche Fürstenhäuser“ ihr fundiertes Fachwissen. Heute ist sie ein gern gesehener Gast in Talkshows, wo sie uns die Welt der Adelshäuser gleichermaßen informativ wie unterhaltsam näher bringt.

Dr. Friedegund
Freitag

Als stellvertretende Direktorin der Abteilung Wissenschaft und Sammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein gehört Dr. Friedegund Freitag zu den profundesten Kennern der ernestinischen Familiengeschichte. So gilt ihr Interesse vor allem dem Haus Sachsen-Gotha und seinen verwandtschaftlichen Beziehungen in die europäischen Adelshäuser. Etwa zu den Windsors. Wer in den Genuss kommt, an einer Führung von Dr. Freitag teilzunehmen, der weiß, warum Thüringen und Schloss Friedenstein als Wiege des europäischen Adels bezeichnet werden.

Dr. Roland
Krischke

Als Dr. Roland Krischke 2016 die Stelle als Direktor des Lindenau-Museums in Altenburg antrat, war dies bereits seine zweite Station in Thüringen. Von 2007 bis 2013 fungierte der promovierte Museumsmann  und Literaturwissenschaftler als Kommunikationsdirektor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Er trug viel zur Neukonzeption der Museumslandschaft Gotha bei und gilt als Mit-Initiator des „Barocken Universums“. Diesen Tatendrang legt Dr. Krischke heute auch in Altenburg  an den Tag, wo er mittlerweile als Direktor der Altenburger Museen mit seinem Team an der Neugestaltung dieser faszinierenden Museumslandschaft arbeitet. 

Foto: Jens Paul Taubert

Ein großes Erbe.
Dank vieler Erben.

Thüringen – nirgendwo in Deutschland ist die Dichte an Schlössern und Burgen höher als im Freistaat. Grund dafür sind die vielen Erbteilungen, die zu einer immer größeren Anzahl von Fürstentümern führten. Dabei ist nicht nur die Menge an Residenzen einmalig, sondern auch die kulturelle und architektonische Vielfalt, die daraus resultierte.

Eine Vielfalt, die den Status UNESCO-Welterbe verdient.

Geht es nach Thüringen, hat diese Vielfalt den Status UNESCO- Welterbe verdient. Entsprechend hat sich der Freistaat, der bereits über vier Welterbe verfügt, um diesen Status beworben. Neun besonders eindrucksvolle Schlösser sind Teil des Antrags „Die Thüringische Residenzenlandschaft“. Sie stehen stellvertretend für die vielen Residenzen und zeigen die ganze Pracht, mit der die zahlreichen kleinen, aber politisch wenig bedeutenden Fürstentümer beeindrucken wollten. Über den Antrag wird voraussichtlich 2023 entschieden. Aber unabhängig davon, ob die Bewerbung Erfolg haben wird oder nicht, sind Thüringens Schlösser und Burgen immer einen Besuch wert.

Reich an Geschichte.
Und an Kultur.

Möglicherweise haben die Könige Thüringens bereits im 6. Jahrhundert dort Hof gehalten, wo heute das Stadtschloss Weimar steht. Doch selbst wenn die Residenzgeschichte erst im 10. Jahrhundert mit dem urkundlich belegten Graf Wilhelm von Weimar ihren Anfang genommen haben sollte, ist das Stadtschloss ein wahrlich historischer Ort.

Maßgeblich geprägt wurde die Residenz vom ernestinischen Haus Sachsen- Weimar-Eisenach, das 400 Jahre seinen Stammsitz hier hatte. Die kunstsinnigen Herrscher haben dafür gesorgt, dass Weimar zu einem kulturellen Zentrum wurde. Nicht zuletzt unter Herzog Carl August, der seinen Freund Goethe nach Weimar holte, was zum Ausgangspunkt der Weimarer Klassik wurde.

Das Stadtschloss fiel mehrfach verheerenden Bränden zum Opfer, wurde aber stets wieder aufgebaut. Unter anderem mit tatkräftiger Unterstützung Goethes. So entstand in einer etwa 500-jährigen Bauzeit das heutige Stadtschloss.

Aktuell wird das Schloss aufwendig saniert. Aber einige Bereiche sind schon wieder für den Publikumsverkehr geöffnet. Zum Beispiel die sogenannten Dichterzimmer. Diese wurden zwischen 1835 und 1847 auf Wunsch von Großherzogin Maria Pawlowna eingerichtet. Und zwar zu Ehren der Dichter Wieland, Herder, Goethe und Schiller, die entscheidend zu Weimars Kulturreichtum beigetragen haben. Und von dem kann man sich noch heute überall in der Stadt überzeugen.

Das Ekhof Theater im Schloss Friedenstein hat einen Star, der das Publikum seit vielen Jahren anzieht und begeistert. Genauer gesagt seit über 300 Jahren. Und das ganz ohne Text. Denn die Hauptrolle im Ekhof Theater spielt bis heute die Bühne – egal, wie sehr sich die Schauspieler ins Zeug legen. 
Sein Zuhause: die Natur. Seine Heimat: Thüringen.